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BDF-Aktion "Brummi fährt für Russland"

Ungenutzte Badehosen und umwerfende Gastfreundschaft*

Von Bernd Schmidt

Es ist kalt am Spätnachmittag des 28. Dezember in Berlin. Der Wettergott scheint die Teilnehmer des vom Bundesverband des Deutschen Güterfernverkehrs (BDF) organisierten Hilfskonvois auf die Fahrt nach Rußland einstimmen zu wollen. 51 Lastzüge werden sich am Sammelpunkt an der ehemaligen Grenzübergangsstelle Drewitz einfinden. Ihr Ziel ist Moskau.


Verladung der Milchpulver-Säcke in Berlin mit Hilfe der Roten Armee

Der BDF hat über seine Landesverbände Fahrzeuge aus allen Himmelsrichtungen zusammengetrommelt. Auch aus den neuen Bundesländern sind viele dabei. Ich selbst fahre - begleitet von meiner Frau Heike - einen Lastzug aus der väterlichen Spedition.

Über 20 t Magermilchpulver in Säcken befinden sich auf jedem der Lastzüge - zusammen sind es gut 1200 t, die aus der Reserve des Berliner Senats der UdSSR gespendet werden. Unterstützt von Soldaten der im Umland noch stationierten Roten Armee, hat es keine 40 Minuten gedauert, einen Zug zu beladen. Vierzig Soldaten haben wir an unserer Beladestelle gezählt, die die 25-kg-Säcke per Hand von dem Milchpulverberg abtrugen und im Lkw verstauten.

Aber nicht nur Milchpulver befindet sich auf den Lkw. Die meisten Fahrer haben kleine Geschenke an Bord, die sie unterwegs verteilen wollen. Trucker Thomas hat von seinem Schwiegervater, der Pastor ist, 40 Bibeln in kyrillischer Schrift bekommen, die er in Moskau verschenken will. Und auf meinem Lkw befinden sich noch Care-Pakete, die Mitarbeiter des Deutschen Verkehrs-Verlags gepackt haben.


Es geht zwar immer geradeaus - und trotzdem nie ohne Polizeibegleitung

Ein Lautsprecher plärrt Country-Musik über den weiten Platz in Drewitz. Er ist auf dem "Brummi-Info-Mobil" installiert, dem großen BDF-Werbe-Truck, in dem die Fernfahrer sich bei einer Tasse Kaffee aufwärmen können. Wie sich herausstellt, haben die wenigsten von ihnen Rußland-Erfahrung. Einige läßt Abenteuerlust und das Interesse für ein fremdes, unbekanntes Land auf das Wochenende und den bevorstehenden Neujahrsfeiertag verzichten. Andere wiederum erhielten die Order von ihrer Firma. Für die ist der Transport nicht nur eine gute Tat, sondern auch ein durchaus lohnender Auftrag: 2 DM pro gefahrenen Kilometer zahlt ihnen der BDF aus einem Sonderfonds - ein attraktiver Preis im internationalen Straßengüterverkehr. Die Gesamtkosten schätzt der Verband auf rund 700000 DM.


Lkw wohin das Auge blickt

Den Konvoi begleiten werden zwei Verkehrsdienstfahrzeuge des BDF. Leiten wird ihn Gerhard Ibrügger, Geschäftsführer des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen e. V. Zusammen mit Ehefrau Marion wird er im Wohnmobil mitfahren. Als viertes und letztes Begleitfahrzeug ist ein Werkstattwagen des Technischen Hilfswerks (THW) aus Minden/Westf. präsent. Nicht umsonst, wie sich unterwegs herausstellt.

Inzwischen gehen die Vorbereitungen in Drewitz ihrem Ende zu. Die Fahrzeuge werden noch einmal überprüft, eine defekte Standheizung wieder in Ordnung gebracht. Der BDF gibt Straßenkarten für Polen und die Sowjetunion aus. Jeder Fahrer erhält außerdem eine wärmende Weste, eine Pudelmütze und einen Schal.

Gegen 18.30 Uhr ist es endlich soweit: Die Fahrer werden vom Bonner Ministerialdirigenten Heinz Sandhäger und BDF-Präsidenten Clemens Weber verabschiedet. Sandhäger betont, daß der BDF-Aktion von seiten des Kreml allerhöchste Priorität eingeräumt wird. Weber spricht gegenüber den versammelten Teilnehmern seinen persönlichen Dank dafür aus, daß sie auf die Feiertage verzichten und stattdessen eine strapaziöse Reise auf sich nehmen. 20 Minuten später verläßt der Konvoi unter lautem Gehupe den Sammelpunkt.

Die erste Etappe der Reise führt uns bis nach Frankfurt/Oder, wo wir auf einem stillgelegten Autobahnteilstück die Nacht verbringen. Am nächsten Morgen passieren wir in aller Frühe die deutsch-polnische Grenze. Von den bekannten Verzögerungen an diesem Grenzübergang ist nichts zu merken - als Hilfskonvoi werden wir bevorzugt behandelt.

Polen zügig durchfahren, lautet die Devise. Befürchtet werden Überfälle auf die Lkw. Bei insgesamt 55 Fahrzeugen kaum vorstellbar, aber man kann ja nie wissen. Einige scheinen besonders große Angst zu haben, ist doch der vordere Teil des Konvois schon nicht mehr zu sehen, als die letzten Fahrzeuge - darunter auch meines - noch am Grenzübergang stehen. Die lassen schließlich Konvoi Konvoi sein und zuckeln gemütlich mit 70 km/h gen russische Grenze.

"Gestern lief hier alles", erzählt mir am nächsten Tag ein Fahrer, der in der Spitze mitfuhr, "Schieben, drängeln, überholen, einfach alles." Wir stehen bereits hinter der russischen Grenze und haben unnötige zwei Stunden zusätzlichen Aufenthalt. Grund: Einige "ganz Schlaue" haben es am Vorabend für nötig befunden, sich vom Konvoi abzusetzen und die Grenze auf eigene Faust zu passieren. Jetzt müssen deren Abfertigungsunterlagen vom Zoll wieder herausgesucht werden, um festzustellen, wer zu unserem Zug gehört und wer nicht. Größere RECHT hat es beim Grenzübertritt jedoch nicht gegeben. Die Lkw sind verplombt und die russischen Beamten haben nur einen kurzen Blick ins Führerhaus geworfen.

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Faust hoch
heißt "Danke"
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Während wir noch warten kommt ein kleiner Junge an der Lkw-Schlange vorbei. Aus nahezu jedem Führerhaus wird ihm etwas zugesteckt: Bonbons, Kaugummi, Coca Cola usw. An zwei gefüllten Plastiktüten hat das Kind auf dem Rückweg arg zu schleppen. Als sich der Konvoi endlich wieder in Bewegung setzt steht der Junge am Straßenrand und reckt uns die Faust entgegen - in Rußland das Zeichen für "Dankeschön".


Einfahrt in Moskau

Weit kommen wir nicht. Bereits nach zwei Kilometern heißt es auftanken an einer Großtankstelle. Drei Säulen stehen uns zur Verfügung und die Betankung aller Lkw nimmt weitere dreieinhalb Stunden in Anspruch. BDF-Verkehrsdienstfahrer Peter Behrens kennt die Tankstelle von früheren Fahrten. "Damals war an den Schläuchen noch keine Zapfpistole", erzählt er mir. "Man mußte die benötigte Litermenge im voraus angeben. Und wenn man sich verschätzt und zuviel angegeben hatte, ging der Rest eben daneben." Dementsprechend sieht es auf der Tankstelle aus.

Von nun an sollen wir bis Moskau von Fahrzeugen der Miliz geleitet werden. Es wird bereits schummerig und als wir in die weitläufige Kurve kurz vor der Auffahrt auf die Schnellstraße kommen, die uns von Brest über Minsk und Smolensk nach Moskau führen wird, bietet sich den am Kolonnenende fahrenden ein phantastisches Bild: eine vier Kilometer lange glühende Perlenkette, bestehend aus den Rücklichtern der Fahrzeuge, zieht sich vor uns durch die weitläufige Landschaft. Sonst ist die Straße so gut wie leer - Fernfahrer-Romantik soweit das Auge blickt. Wir kommen an diesem Tag noch bis Minsk.
Am Sylvestermorgen verzögert sich die Abfahrt. Ein Rad muß gewechselt werden, die Radmuttern sitzen fest. Erst nach einer Stunde ist die Panne behoben und es kann weitergehen auf der endlos scheinenden Straße durch eine endlos scheinende Landschaft, die nur selten durch eine Ortsdurchfahrt unterbrochen wird. Auf dem gesamten Weg von Brest nach Moskau gibt es nur sehr sehr wenige davon, die großen Städte sind ohnehin mit Umgehungsstraßen versehen. Stattdessen sehen wir auf freier Strecke Bushaltestellen. Weit und breit kein Haus, geschweige denn ein Dorf. Aber tatsächlich Leute, die mit dem Bus fahren wollen. Wir winken. Sie reagieren unterschiedlich. Einige beobachten mit skeptischen Gesichtern, was da wohl gerade an ihnen vorbeirollt andere strecken uns die geballte Faust entgegen und winken zurück. Wir sehen Kinder und werfen ihnen Bonbons und Kaugummi zu. Ihre Freude darüber entschädigt für das sonderbare Gefühl, das uns dabei beschleicht.

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Sylvester
in Smolensk
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Am frühen Abend erreichen wir Smolensk. Hier hat der BDF mit Unterstützung eines ortskundigen Truckers eine Sylvesterpartie arrangiert. Es wird ein internationales Fest. Zusammen mit Fahrern eines Konvois des französischen Roten Kreuzes und russischen Familien feiern wir in einem Motel bis in die frühen Morgenstunden. Irgendwann in dieser Nacht erscheint "Väterchen Frost", der russische Nikolaus, und wünscht allen ein frohes neues Jahr. Kurze Zeit später kommt er ein zweites Mal, diesmal in Begleitung einer Dolmetscherin, um auch uns Deutschen ein frohes 1991 zu wünschen. Schampanskoje - der russische Krimsekt - und Wodka fließen in Strömen. Kein Wunder, daß die Miliz am nächsten Tag eine frühe Abfahrt verhindert: vor 12 Uhr darf sich kein Rad bewegen.


Zollkontrolle an der deutsch-polnischen Grenze
 - auch der THW kommt nicht darum herum.

Dem Konvoi wird auf der letzten Etappe ein Streufahrzeug vorausgeschickt. Denn die Landstraße ist bedeckt von einer geschlossenen Schneedecke, darunter ist es stellenweise spiegelglatt. Das Abstreuen ermöglicht ein relativ schnelles Vorankommen - fünf Reifenpannen allein an diesem Tag sind allerdings der Preis, den die hohe Geschwindigkeit und der schlechte Straßenbelag fordern.
Gegen 23 Uhr Ortszeit sind wir am Ziel. Über eine breite, sechsspurige Prachtstraße fahren wir in die sowjetische Hauptstadt. Dort erleben wir die wohl größte Überraschung auf dieser Reise.

Von der Miliz werden wir nahezu bis ins Stadtzentrum geleitet, die Fahrzeuge am Ufer der Moskwa abgestellt, wo sie rund um die Uhr bewacht werden sollen. Eine halbe Stunde später fahren uns Busse zum direkt am Roten Platz gelegenen Hotel "Rossia", einem der Mokauer Top-Hotels, das mit 6000 Betten eine Stadt für sich ist.

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Der Kreml
revanchiert sich
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In welchem Land sind wir eigentlich? Sind wir nicht in der Absicht hierher gekommen, die notleidende Bevölkerung zu unterstützen? Hat der BDF uns nicht empfohlen, eine Badehose mitzunehmen, weil damit zu rechnen war, daß wir auch in Moskau im Lkw übernachten werden, dann aber zum Waschen ein Schwimmbad besuchen können? Stattdessen finden wir uns wieder im zweitgrößten Luxushotel der Stadt, mitten im Zentrum, mit drei vollwertigen Mahlzeiten täglich und reichlich Wodka und Schampanskoje auf den Tischen. Eingeladen hat uns der Kreml. Eine Flasche Krimsekt kostet regulär 50 Rubel. Das ist ein Fünftel des durchschnittlichen Monatsgehalts eines Moskauer Bürgers, viele verdienen weniger, von den Renten ganz zu schweigen. An den Nachbartischen sitzen Russen. Weder Wodka noch Schampanskoje, geschweige denn Apfelsinen, die uns ebenfalls angeboten werden, befinden sich auf deren Tischen.

Wir kommen zu dem Schluß, daß sich der Kreml nichts schenken lassen will. Zwar wird das Milchpulver dringend benötigt, aber bitteschön nicht ohne Gegenleistung. Dieser grandiose Empfang ist beschämend für uns, ebenso wie es beschämend für die Sowjetbürger sein muß, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

In welchem Land sind wir eigentlich? In einem Land der Gegensätze. In den Geschäften gibt es keine Lebensmittel mehr zu kaufen. Die Schaufenster sind leer. Eine Ausnahme bilden Läden, vor denen endlose Schlangen darauf hinweisen, daß dort gerade eine frische Lieferung Milch, Wurst oder vielleicht auch nur Mehl angekommen ist. Die Menschen, die am Ende der Schlange stehen, wissen oft nicht, für was sie anstehen. Sie wissen nur, daß es vorne irgendetwas zu kaufen gibt. Und sie wissen nicht, ob noch etwas davon da sein wird, wenn sie an der Reihe sind. Trotzdem warten sie mit einer fast unglaublichen Geduld und Disziplin. Die längste Schlange sehe ich vor der Hamburger-Filiale McDonald. Später erfahre ich, daß es Menschen gibt, die eine Tagesreise unternehmen, um einmal dort essen zu können.

In welchem Land sind wir eigentlich? In einem Land, in dem der Schwarzmarkt längst die Oberhand gewonnen hat. Sicher, schon immer waren irgendwelche Waren vorübergehend nicht vorhanden und blühten die Schwarzmarktgeschäfte. Aber so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie. Und niemand weiß eigentlich genau, wie das möglich ist. "Bis vor wenigen Tagen gab es noch Eier für eine Kopeke pro Stück zu kaufen", erklärt uns eine der uns betreuenden Dolmetscherinnen. "Jetzt sind sie plötzlich vom Markt verschwunden und kosten schwarz einen Rubel. Aber die Hennen legen doch weiter . . ."

Unsere Lastzüge werden an zwei Tagen an fünf Molkerei-Filialen entladen. An beiden Tagen wird denjenigen, die gerade nicht entladen müssen, eine Stadtrundfahrt geboten. Und auch in den Milchwerken wird uns unerwartete Herzlichkeit zuteil. Nicht einen Sack Milchpulver müssen wir selbst in die Hand nehmen. Stattdessen wird uns mit Hilfe der Dolmetscherinnen die Arbeit in den Molkereien erläutert, erhalten wir eine Werksführung und werden obendrein noch zum Mittagessen in den Betrieben eingeladen. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, daß unsere 1200 t Milchpulver gerade mal für die Produktion eines knappen Monats reichen. Nach der Führung und dem Mittagessen sind die Fahrzeuge leer. Vor der Abfahrt bekommt jede Fahrzeugbesatzung eine Tüte in die Hand gedrückt. Sie enthält eine Flasche Wodka, eine Flasche Schampanskoje und eine Schachtel mit Molkereiprodukten. Wir hätten sie gerne dort gelassen, aber Geschenke abzulehnen gilt in der Sowjetunion als unhöflich.

Damit nicht genug, erhält jeder Fahrer und - soweit vorhanden - Beifahrer 100 Rubel von der Molkereileitung. Später beschließen wir, das Geld zusammenzuwerfen und es über die deutsche Botschaft einem Krankenhaus für behinderte Kinder zukommen zu lassen. Immerhin 5000 Rubel - ein ganzer Batzen für russische Verhältnisse - kommen so zusammen.

Unsere Care-Pakete geben wir einer Moskauer Zeitung zu treuen Händen. Sie werden an eine Organisation weitergeleitet, die sie an hilfsbedürftige ältere Menschen verteilt. Zwei Wochen später wird uns in Hamburg das erste Dankschreiben einer Empfängerin erreichen.

Thomas hat seine Bibeln einer Dolmetscherin gegeben, die versprochen hat, den größten Teil an ältere Menschen in ihrer Nachbarschaft zu verschenken. Ein Neues Testament in Taschenbuchform, wie Thomas es mitgebracht hat, kostet bereits 50 bis 60 Rubel. Einen Teil der Bibeln will unsere Dolmetscherin verkaufen und das Geld einem ihr bekannten Waisenhaus zukommen lassen.


Heimwärts

Am 4. Januar wird zum Aufbruch geblasen. Über Nacht herrschten in Moskau 22 Grad Kälte. Das verzögert die Abfahrt. Einem Fahrzeug ist die Dieselleitung eingefroren, ein anderes wartet noch auf einen Reservereifen, der in Moskau repariert wurde. Die Wartezeit nutzen einige, um noch letzte Souvenirs zu besorgen. So manche Fellmütze der Miliz wechselt ihren Besitzer und im nahegelegenen Berioska-Laden, wo man gegen Devisen alles mögliche bekommt, haben die ineinandersetzbaren Puppen, die Matruschkas, Hochkonjunktur.

Gegen Mittag sind die Fahrzeuge endlich startklar. Bei heftigem Schneetreiben, das nichts Gutes vermuten läßt, verlassen wir Moskau. Doch kaum sind wir 100 km von der Hauptstadt weg, wird es wärmer. Nur nachts und in den frühen Morgenstunden ist es auf den Straßen noch glatt. In nur drei Tagen erreichen wir die polnisch-deutsche Grenze. Auch diesmal gestaltet sich der Übergang an den Grenzen relativ problemlos. Der drohende Engpaß kurz vor der polnischen-deutschen Grenze, wo wir uns plötzlich in einem kilometerlangen Lkw-Stau wiederfinden, kann mit Genehmigung der Behörden elegant über die Gegenfahrbahn der Autobahn und über das Zollamt Stadtbrücke in Frankfurt/Oder (keinerlei Kontrolle) umfahren werden. Am Morgen des 7. Januar um 1 Uhr hat Deutschland uns wieder.

Ein paar Anmerkungen zum Schluß: Dem BDF ist eine ausgezeichnete Vorbereitung der Aktion zu bescheinigen - vom eineinhalb Meter langen Fernschreiben, aus dem die Unternehmen alles für die Transportvorbereitung notwendige entnehmen konnten über die kurzfristige Besorgung der Visa für Polen und Rußland bis hin zur Betreuung unterwegs.

Was ich allerdings vermißt habe, war eine genaue Einweisung der Fahrer spätestens vor der Abfahrt in Drewitz, besser ebenfalls fernschriftlich über die einzelnen Unternehmen. 51 Lastzüge sind eine ganze Menge für einen Konvoi, eigentlich sind es zu viele. Zwangsläufig muß es bei dieser Größenordnung und bei den unterschiedlichen Mentalitäten zu Spannungen kommen. Eine von vornherein festgelegte angemessene Höchstgeschwindigkeit, Überholverbot usw. hätte viel psychischen Streß vermeiden helfen können. Das wurde im Vorfeld versäumt, unterwegs war das nicht nachzuholen. 

Schwamm drüber. Die Fahrt war wohl für alle ein großartiges Erlebnis, wobei der Hauptzweck, nämlich die Hilfsleistung und vor allem die dadurch entstandenen Kontakte nicht minder zu bewerten ist.

Besonders zu würdigen ist noch die Leistung des THW Minden, das - hauptsächlich aufgrund seiner gemäßigten Fahrweise - zu Unrecht mancherlei Anfeindungen ausgesetzt war. Sicherlich aber nicht von dem Fahrer, der seinen Hängerzug am Sylvesterabend beim Wenden im Schnee festgefahren hatte, und den das THW in zweistündiger Arbeit per Seilwinde wieder befreite, als andere schon feierten. Und sicherlich auch nicht von dem Trucker, dem das THW in Moskau die Hydraulikleitung der Kupplung reparierte, was im übrigen nur dadurch möglich war, daß ein Mitarbeiter der Molkereiwerkstatt nach Feierabend auf einer Drehbank einen passenden Rohrverbinder herstellte.

Zu würdigen ist ferner die Großzügigkeit mehrerer Mindener Kfz-Ausrüster, das sind im einzelnen die MAN Nutzfahrzeug AG, die Emmy Kloos OHG, die Karl Westphal Mineralöl Vertriebs GmbH und die Wilhelm Schwenker GmbH & Co. KG. Sie alle stellten dem THW entgeltlos auf Kommissionsbasis Ersatzteile aller Art für den Konvoi zur Verfügung.

Irgendwo auf der Rückfahrt, noch vor der russischen Grenze, hat meine Frau mich gefragt, ob ich so eine Tour noch einmal mitmachen würde. Ich? Sofort. Jederzeit.

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* erschienen in der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) im Januar 1991; der Autor ist fester Mitarbeiter der DVZ; Fotos: Heike Schmidt/www.trapho.de

 

 

 

   
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